AG Bildung: Wesen der Ware
| THEORIE - Schulungsmaterial |
Im vergangenen KI-Newsletter kündigte die AG Bildung einen regelmäßig erscheinenden Beitrag zur politischen Bildung der LeserInnen an. Diese Aufgabe ist für die AG insofern eine Herausforderung, als daß die Vorkenntnisse bezogen auf die politisch-ökonomische Vorbildung bei der großen Anzahl der KI- Newsletter-Leserschaft vermutlich sehr unterschiedlich sind. Aus diesem Grund wurden die Texte inhaltlich derart abgefasst, daß sie ohne Hintergrundwissen zu verstehen und nachvollziehbar sind. Für diejenigen GenossenInnen, die bereits Vorkenntnisse z.b. durch das Selbststudium oder einem Fernstudium erworben haben, mögen die Beiträge zur Auffrischung ihres ökonomischen Verständnisses dienen. Beginnen wollen wir mit der Ökonomie des Kapitalismus.
Der Schlüssel zum Verständnis der Produktions- und Ausbeutungsbedingungen im Kapitalismus liegt in der Lehre von Karl Marx begründet. Obwohl Marx sein Hauptwerk „Das Kapital“ in der zweiten Hälte des 19. Jahrhunderts verfaßte, hat es – wie wir im weiteren Verlauf sehen werden – nichts an Aktualität und Bedeutung verloren. Ganz im Gegenteil: Mit der Zunahme der Widersprüche zwischen der besitzenden (der Bourgeosie) und der besitzlosen Klasse (dem Proletariat) im Kapitalismus ist ein Verständnis der Marxschen Analyse und seiner logischen Konsequenz – der Aufbau einer kommunistischen Partei - umso dringender geboten. Für das Verständnis der Marx`schen Forschungsergebnisse und der Erfassung der inneren Logik des „Kapitals“ ist es ratsam, sich kurz einige methodische Überlegungen zu vergegenwärtigen. Marx ist in seiner Untersuchung des Kapitalismus - im Gegensatz zu unserem weit verbreitenen Denken über politische, ökonomische und/oder gesellschaftliche Fragestellungen – nicht von den uns allgegenwärtigen Erscheinungsformen des Kapitalismus ausgegangen. Ausgangspunkt seiner systematischen Analyse der kapitalistischen Produktion war im 19. Jahrhundert nicht die Verelendung großer Teile der Bevölkerung, die geringe Lebenserwartung der arbeitenden Menschen, die Kinderarbeit oder die Macht des Industrie- oder Handelskapitals. Marx ist auch nicht von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder von der Ausbeutung, als der vermeintlichen Ursache von Unterdrückung und Armut ausgegangen, sondern von der Ware als einem uns ständig im Lebensalltag begegnenden Gegenstand. Von der Untersuchung des Arbeitsproduktes „Ware“ gelangte Marx u.a. über die Warenzirkulation, der Formulierung des Kapitalkreislaufes, der Entstehung von Mehrwert, der Reproduktion des Kapitals, der Konzentration und Zentralisation des Kapitals, dem tendenziellen Fall der Profitrate zu den an der Oberfläche konkret wahrnehmbaren Phänomenen (im 21. Jahrhundert: Kriege, Überproduktionskrisen, Korruption, Sozialabbau, etc.). Dieses Prinzip im methodischen Vorgehen beschreibt Marx selbst als das „Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten“. Die gedanklichen Schritte für „das Aufsteigen vom Abstrakten zum Konkreten“ werden wir in den folgenden Ausgaben des KI- Newsletters nachvollziehen. Die kleinste logische Einheit der kapitalistischen Produktionsweise ist – wie bereits erwähnt – die Ware und sie entspricht im Grunde genommen der Zelle im menschlichen Körper. Die Ware stellt die Elemtarform des gesellschaftlichen Reichtums und sie ist als solche in unseren Leben allgegenwärtig und bestimmt vielfach in zwischenmenschlichen Kontakten unsere Kommunikation. Eine Ware ist zunächst ein stofflicher Gegenstand, der durch menschliche Arbeit für den Austausch produziert wird. Ein Bäcker, der sein Brot selbst als Nahrungsquelle verwendet, stellt mit dem Brot noch keine Ware her. Das Brot wird zur Ware sobald es für einen Austauschprozeß auf dem Markt produziert wurde. Ein Anbieter kann nur dann auf den Austausch seiner Ware auf dem Markt hoffen, sofern diese eine Nützlichkeit für einenpotentiellen Nachfrager besitzt. Die Nützlichkeit eines gebackenen Brotes besteht für den Nachfrager eben darin, sein Hungergefühl zu stillen und mit beizutragen, sein Überleben sicherzustellen. Auch Bekleidung ist nützlich, schützt diese den Menschen im Winter vor der Kälte. Waren befriedigen allgemein Bedürfnisse des Menschen und verkörpern dadurch ihren spezifischen Gebrauchswert. Allerdings ist nicht jeder nützliche Gegenstand eine Ware, denn wildwachsendes Holz für die Erwärmung einer Wohnung wurde ohne menschliche Arbeit (abgesehen vom Auflesen und dem Transport) erschaffen. Allgemein wird der Gebrauchswert einer Ware durch konkrete menschliche Arbeit bestimmt. Die konkrete menschliche Arbeit des Bäckers besteht neben anderen Arbeitsschritten aus der Bereitstellung der Ausgangsstoffe und dem Rühren des Teiges. Des Schneider`s konkrete Arbeit setzt sich u.a. aus dem Abmessen der stofflichen Einzelteile und dem Nähprozeß zusammen.
Neben dem Gebrauchswert besitzt die Ware einen Wert, der aus abstrakter menschlicher Arbeit hervorgeht. Hierunter versteht man die produktive Verausgabung von allen neurologischen und physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper der Warenproduzenten. Ihren Ausdruck findet die abstrakte menschliche Arbeit in der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Arbeit: es ist der Zeitaufwand, der unter jeweils durchschnittlich technischem Niveau, Intensität der Arbeit und gesellschaftlichen Produktionsbedingungen zur Herstellung eines Produktes aufgewendet werden muss. Der Wert einer Ware liegt dem Austausch zugrunde und tritt als Tauschwert in Erscheinung.
Es ergibt sich nun die Frage, wie sich Waren auf dem Markt austauschen können. Die Gebrauchswerte unterschiedlicher Waren lassen sich quantitativ nicht vergleichen. Der Gebrauchswert einer Tasse, d.h. aus ihr trinken zu können, ist nicht mit dem Gebrauchswert eines Messers, d.h. mit ihm schneiden zu können, vergleichbar. Es fehlt ihnen die gemeinsame Bezugsgröße. Ein quantitativer Vergleich von verschiedenen Waren ist ausschließlich über den Tauschwert möglich, denn hier tauschen sich die Waren entsprechend der in ihnen verkörperten Wertgröße, der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen (als abstrakte) Arbeit aus. Die Wertgröße ist keine konstante Einheit, sondern sie hängt u.a. von der sich entwickelnden Technik, von der Effizienz der Arbeit und/oder von sich neu entwickelnden Formen der Arbeitsorganisation ab. Allgemein gilt: je höher die Entwicklung der Produktivkräfte, desto kleiner ist die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeit zur Produktion einer speziellen Ware.
Marx bezeichnete den Umstand, daß eine Ware einen Gebrauchswert und einen Tauschwert besitzt, als Doppelcharakter der Ware. Diese Kategorien sind zwei entgegengesetzte Pole der Ware: Als Gebrauchswert interessiert uns nicht der Tauschwert und beim Tauschprozeß wird der Gebrauchswert einer Ware ausgeklammert. Dennoch sind beide Pole als dialektische Einheit miteinander eng verknüpft. Würde eine Ware lediglich einen Gebrauchswert und keinen Tauschwert verkörpern, wäre sie unverkäuflich und stellt keine Ware mehr dar. Ein Gegenstand ohne Gebrauchswert, also etwas Unbrauchbares, wird auf dem Markt keine Möglichkeit haben, als Ware ausgetauscht zu werden.
In den verausgegangenen Abschnitten haben wir das Wesen der Ware mit ihren Doppelchrakter kennen gelernt. Zur Vertiefung der Analyse des Warencharakters im Kapitalismus verweisen wir auf die Primärliterartur bei Marx, Das Kapital, Band I, S. 49 – 61. In der nächsten Ausgabe des KI-Newsletter werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie die Ware ihren Wert ausdrücken kann.
Für Anregungen und Kommentare zum vorliegenden Text und/oder einer zukünftigen Mitarbeit Deinerseits ist die AG Bildung der KI unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. erreichbar.
Norbert (AG Bildung)
Neben dem Gebrauchswert besitzt die Ware einen Wert, der aus abstrakter menschlicher Arbeit hervorgeht. Hierunter versteht man die produktive Verausgabung von allen neurologischen und physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper der Warenproduzenten. Ihren Ausdruck findet die abstrakte menschliche Arbeit in der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen Arbeit: es ist der Zeitaufwand, der unter jeweils durchschnittlich technischem Niveau, Intensität der Arbeit und gesellschaftlichen Produktionsbedingungen zur Herstellung eines Produktes aufgewendet werden muss. Der Wert einer Ware liegt dem Austausch zugrunde und tritt als Tauschwert in Erscheinung.
Es ergibt sich nun die Frage, wie sich Waren auf dem Markt austauschen können. Die Gebrauchswerte unterschiedlicher Waren lassen sich quantitativ nicht vergleichen. Der Gebrauchswert einer Tasse, d.h. aus ihr trinken zu können, ist nicht mit dem Gebrauchswert eines Messers, d.h. mit ihm schneiden zu können, vergleichbar. Es fehlt ihnen die gemeinsame Bezugsgröße. Ein quantitativer Vergleich von verschiedenen Waren ist ausschließlich über den Tauschwert möglich, denn hier tauschen sich die Waren entsprechend der in ihnen verkörperten Wertgröße, der gesellschaftlich durchschnittlich notwendigen (als abstrakte) Arbeit aus. Die Wertgröße ist keine konstante Einheit, sondern sie hängt u.a. von der sich entwickelnden Technik, von der Effizienz der Arbeit und/oder von sich neu entwickelnden Formen der Arbeitsorganisation ab. Allgemein gilt: je höher die Entwicklung der Produktivkräfte, desto kleiner ist die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeit zur Produktion einer speziellen Ware.
Marx bezeichnete den Umstand, daß eine Ware einen Gebrauchswert und einen Tauschwert besitzt, als Doppelcharakter der Ware. Diese Kategorien sind zwei entgegengesetzte Pole der Ware: Als Gebrauchswert interessiert uns nicht der Tauschwert und beim Tauschprozeß wird der Gebrauchswert einer Ware ausgeklammert. Dennoch sind beide Pole als dialektische Einheit miteinander eng verknüpft. Würde eine Ware lediglich einen Gebrauchswert und keinen Tauschwert verkörpern, wäre sie unverkäuflich und stellt keine Ware mehr dar. Ein Gegenstand ohne Gebrauchswert, also etwas Unbrauchbares, wird auf dem Markt keine Möglichkeit haben, als Ware ausgetauscht zu werden.
In den verausgegangenen Abschnitten haben wir das Wesen der Ware mit ihren Doppelchrakter kennen gelernt. Zur Vertiefung der Analyse des Warencharakters im Kapitalismus verweisen wir auf die Primärliterartur bei Marx, Das Kapital, Band I, S. 49 – 61. In der nächsten Ausgabe des KI-Newsletter werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie die Ware ihren Wert ausdrücken kann.
Für Anregungen und Kommentare zum vorliegenden Text und/oder einer zukünftigen Mitarbeit Deinerseits ist die AG Bildung der KI unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. erreichbar.
Norbert (AG Bildung)
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