Es besteht kein Zweifel, dass die Frauen in unserer Welt, selbst in den entwickelten und anscheinend durch den von Feminismus geprägten Ländern durch besondere und doppelte Ausbeutung leiden. Das ist einerseits die Ausbeutung durch das kapitalistische System und andererseits durch die patriarchale Prägung der Gesellschaft, z.B. innerhalb des bürgerlichen Familienlebens.

Es gibt viele Seiten und Beispiele dieser doppelten Ausbeutung, und manche von ihnen sind erschreckend, besonders wenn man nicht nur die Lebensweise der deutschen Frauen berücksichtigt. Da gibt es so gravierende Erscheinungen wie sexuelle Sklaverei, die vor allem viele Frauen aus ärmeren Ländern erleiden; die Gewalt in dieser Branche ist grausam und weit verbreitet. Da ist auch Frauenarmut und Altersarmut, von der meistens auch die Frauen betroffen sind. Da sind die Anzeigen in den Zeitungen, die jeder sehen kann: „Polnische Pflegekräfte, günstig, 24 Stunden.“ Betrachten wir nur dieses letzte Beispiel: Was bedeutet eine derartige Tätigkeit für solch eine „günstige“ Krankenschwester aus Polen (oft mit guter Ausbildung)? Diese „günstigen“ Pflegekräfte sollen 24 Stunden pro Tag für einen fremden schwerbehinderten Mann oder eine Frau da sein und sie rund um die Uhr pflegen. Sie dürfen 2-3 Mal pro Woche für ein paar Stunden aus dem Haus gehen, und das Ganze dauert mehrere Monate oder Jahre. Das ähnelt einem Sklavendasein im Vergleich zu einer „normalen“ kapitalistischen Ausbeutung. Selbstverständlich gehen nicht die wohlhabenden polnischen Frauen solch ein Verhältnis ein.

Man thematisiert hierzulande gern fehlende Frauenrechte in islamischen Ländern, aber „vergisst“ dabei ebenso gern den „Sextourimus“ deutscher Männer, die jährlich allein bis zu 100.000 Minderjährige (auch Jungen) in armen Ländern wie z.B. Thailand missbrauchen[1].

Überall deutlich wahrnehmbar ist die Degradierung der Frauenkörper zum sexuellen Objekt mit den Folgen Sexismus und sexuelle Belästigungen; diese Degradierung ist nicht so harmlos, wie man denken könnte: So nimmt die Magersucht unter jungen Mädchen immer weiter zu, und in 20% der Fälle ist diese psychische Krankheit tödlich. Auch Depressionen und Angststörungen sind unter Frauen mehr verbreitet als unter Männern.

Die Feministinnen zählen diese gravierenden Folgen der Frauenausbeutung zwar auf, doch suchen sie die Ursachen dafür im „allgemeinen Patriarchat“, das sie als Idee sehen, welche die ganze Gesellschaft durchdringt. Man solle die Idee ändern, dann höre die Doppelausbeutung der Frauen auf. Die großen Profitbereiche wie Sklavenhandel, Prostitution oder Anwerbung „polnischer Pflegekräfte“ würden sich quasi von selbst in Luft auflösen. Deswegen ist ihnen auch der Anteil der Frauen in Regierungen, Aufsichtsräten und in anderen Strukturen der Macht so wichtig. Wenn man diesen Anteil mit Quoten und Gesetzen erhöhe, werde nach ihrer Meinung auch die Idee vom Patriarchat verschwinden und sich somit die ganze Gesellschaft verändern. Auch der „Bewusstseinstand“ der Frauen soll erhöht werden. Wie genau, kann man z.B. in dem berühmt gewordenen Werk Ute Ehrhardts, „Gute Mädchen gehen in den Himmel, böse – überallhin“, nachlesen. Jede Frau soll sich demnach ihren Platz in der kapitalistischen Gesellschaft erkämpfen, indem sie egoistischer und selbstbewusster auftritt, an sich selbst denkt, sogar andere Frauen ausbeutet. Ute Ehrhardt führt ein Beispiel auf, in dem eine „gute“ Unternehmerin Pleite ging, weil sie den bei ihr angestellten Frauen gegenüber mehr Verständnis zeigte, als in der Branche üblich war. Natürlich ist so etwas, nach der feministischen Meinung Ute Erhardts, unzulässig. Die Unternehmerin soll „bewusster“ werden und andere ohne Gnade ausbeuten.

Für uns Kommunisten ist dieser Weg keineswegs eine Möglichkeit zur Befreiung der werktätigen Frauen! Als Teil der Arbeiterklasse sollen Frauen sich zusammenschließen und aktiver für ihre Rechte und schließlich für die Eroberung der politischen Macht durch ihre Klasse kämpfen.

Wir Kommunisten kennen den Hauptgrund der Leiden der Frauen, und dieser Grund liegt nicht in einer „patriarchalen Idee“, sondern in materialistischen Tatsachen: in Arbeitszeit und Arbeitsverhältnissen. Die Ausbeutung der Frau liegt in der Basis der Gesellschaft begründet, in ökonomischen Tatsachen, und diese Tatsachen müssen geändert werden!

 

Bis jetzt verbringen viele Frauen einen erheblichen Anteil ihrer Arbeitszeit in unbezahlter und unbemerkter Arbeit, nämlich der Pflege der Familie. Dazu gehören: Kinderbetreuung und -pflege, Haushalt und Pflege der bedürftigen Angehörigen.

Obwohl die Anzahl der Männer, die in die Familienpflege einbezogen sind, zuletzt etwas gewachsen ist, bleibt diese häusliche Tätigkeit im Grunde immer noch Frauensache. So sind z.B. 65% von allen pflegenden Angehörigen Frauen. Der größte Teil der pflegenden Männer ist aus der Altersgruppe 80-85, und sie pflegen ihre Ehepartnerinnen. Das heißt, die Frauen pflegen immer noch meistens die Eltern – ihre eigenen und die ihres Mannes. Und wenn man nur das Alter bis 60 Jahre berücksichtigt, ist der Frauenanteil nochmals deutlich höher als 65%[2].
Insgesamt werden 1,25 Mio. Pflegebedürftige ausschließlich durch Angehörige zu Hause versorgt[3].

Im Haushalt verbringen die Frauen in Deutschland täglich in Durchschnitt 164 Minuten, die Männer hingegen nur 90 Minuten[4].

Aber das größte Problem ist die Kindererziehung und -pflege, denn gerade deswegen leidet das Berufsleben der Frauen am meisten. So nahm 2014 ein Viertel von Müttern Elternzeit (für Kinder unter 6 Jahren) in Anspruch; bei den Männern war das nur 1%[5]. Auch Teilzeitarbeit ist bei Frauen mit Kindern viel weiter verbreitet als bei Männern (69% gegenüber 5%[6]).

Allerdings beschäftigen sich auch die Vollzeit arbeitenden Frauen in einer „zweiten Schicht“ mit Kindern und Haushalt. Und somit sind sie „schlechtere“ Objekte der Ausbeutung als Männer.

Das alles hat zu Folge, dass im Durchschnitt die Löhne der Frauen in Deutschland um 22% unter denen der Männer liegen[7]. Doch das gilt nur für die Vollzeitbeschäftigten; es wird also gar nicht berücksichtigt, dass mehr Frauen in Teilzeit arbeiten und somit, natürlich, auch weniger Geld verdienen.

Das ist eine ökonomische Tatsache. Und diese Tatsache macht alles andere aus: dass die Frauen sich minderwertiger fühlen, dass die besser bezahlten Männer, auch die in den Reihen der Arbeiterklasse und anderer Werktätiger, sich stärker im Vergleich zu den Frauen fühlen und sich besser durchsetzen können, dass junge Mädchen magersüchtig werden in ihrem Versuch, sich doch irgendwie in der Gesellschaft zu behaupten, und dadurch sterben. Da in vielen armen Ländern die Unterschiede zwischen Mann und Frau in Entlohnung und Haushalt noch gravierender sind, sind dort Frauen gezwungen, sich manchmal selbst zu verkaufen oder werden durch leere Versprechungen wie „Arbeit in Deutschland“ betrogen. Prostitution und Sklaverei sind die Folge. Die Wurzel all dieser Erscheinungen liegt in der unbezahlten Arbeitszeit in der Familienpflege.

Gibt es im Rahmen des kapitalistischen Systems eine Lösung dieses Problems? Nein.
Auch dann nicht, wenn die Regierungen unter dem Druck der humanitären und feministischen Organisationen der Profitmacherei durch Prostitution und Sklaverei einen Riegel vorschieben, sie nicht nur gesetzlich verbieten, sondern auch wirklich bekämpfen. Denn:

Sie werden nicht die Tatsache bekämpfen, dass es für die Unternehmer bequem ist, die Männer nur in Vollzeit anzustellen und (vergleichsweise!) „gut“ zu bezahlen, diese aber auch wissen, dass die Männer vollständig ausgesaugt und ausgebeutet werden können. Die Frauen hingegen „sollen noch was für die Familie tun“, aber auch weiterhin weniger Lohn erhalten und dadurch sogar mehr Profit bringen (denn zwei Teilzeit-Arbeiterinnen sind für den Unternehmer wegen der Sozialabgaben in der Regel günstiger als eine Vollzeitkraft).

Also: Das ist gut und bequem für „normale“ Unternehmer, und das wird sich im Kapitalismus nicht ändern. Ausnahmen wie in Schweden bestätigen diese Regel.

Dadurch entsteht wieder die Kette der bekannten Folgen: Die Frauen bekommen weniger Lohn, leisten viel unbezahlte Arbeit, können ihre Kinder nicht ernähren, sind von Männern abhängig und auf sie angewiesen; es kommt zu sexueller Ausbeutung, und das führt wiederum zu Gewalt und illegaler Profitmacherei durch die Versklavung der Frauen.

Nur im Sozialismus, durch die Herrschaft der Arbeiterklasse und in der Planwirtschaft, ist die Lösung dieses Problems möglich.

Das sozialistische Russland gab als erstes Land der Welt den Frauen sofort alle politischen Rechte, sowie das Recht auf jede Art von Berufsausbildung und Studium. Diese Möglichkeiten blieben für die Frauen der kapitalistischen Welt noch mehrere Jahrzehnte verschlossen und wurden schließlich nur deswegen durch die Bourgeoisie gewährt, weil sie Angst vor der erstarkenden Arbeiterbewegung, unterstützt durch die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder, hatten.

Aber die Bolschewiken waren sich bewusst, dass es nicht ausreichte, den Frauen einfach nur die politischen Rechte zu geben und sie in der Arbeitswelt mit den Männern gleichzustellen. Lenin sagte am 23. September 1919 in einer Rede auf der Konferenz parteiloser Arbeiterinnen[8]:

„Solange die Frau von der Hauswirtschaft vollständig in Anspruch genommen ist, bleibt ihre Lage immer noch beengt. Zur vollständigen Befreiung der Frau und zu ihrer wirklichen Gleichstellung mit dem Mann bedarf es gesellschaftlicher Einrichtungen, bedarf es der Teilnahme der Frau an der allgemeinen produktiven Arbeit. Dann wird die Frau die gleiche Stellung einnehmen wie der Mann. […] Sie alle wissen, dass diese faktische Unterdrückung der Frau auch bei völliger Gleichberechtigung bestehen bleibt, weil die gesamte Hauswirtschaft ihr aufgebürdet wird. Die Hauswirtschaft ist in den meisten Fällen die unproduktivste, die barbarischste und schwerste Arbeit, die die Frau verrichtet. Es ist eine sich im allerengsten Rahmen bewegende Arbeit, die nichts enthält, was die Entwicklung der Frau irgendwie fördern könnte.“

Weiter spricht Lenin von gesellschaftlichen Einrichtungen, die diese Familienpflege übernehmen sollen, von Kinderkrippen bis hin zu Kantinen.

Lenin schrieb häufig über das Thema. Und tatsächlich konnte man auch sehen, dass die Anzahl von Kindertagesstätten und Kinderkrippen in der Sowjetunion mit jedem Jahr wuchs. Durch die Industrialisierung wurde ein großer Teil der aufwendigen Familienarbeit durch die Gesellschaft übernommen. Dadurch wurden die Frauen zu einem Großteil von der unbezahlten Familienarbeit befreit.

Dieser Prozess endete leider zu früh, er wurde in den 1960er Jahren durch revisionistische Entwicklungen aufgehalten. Dennoch hatten die sowjetischen Frauen wie auch die in der DDR in der sozialistischen Gesellschaft viel mehr Möglichkeiten für Bildung, Studium und Arbeit. Kinder waren in Kinderkrippen und Kindertagesstätten gut aufgehoben und konnten erzogen werden. Dank der Gleichstellung mit Männern im gesellschaftlichen Leben wurden die Frauen selbstbewusster und konnten sich auch im Familienleben gut durchsetzen und auf ihren Rechten bestehen.

Und, sehr wichtig: In den sozialistischen Ländern waren die schlimmsten Folgen der Frauenausbeutung wie Sklaverei und Menschenhandel, Prostitution, sexuelle Ausbeutung und Zuhälterei vollständig verschwunden. Denn alle diese Erscheinungen existieren nur deshalb, weil die Kapitalisten dadurch Profite erzielen können. Dies war in sozialistischen Ländern unmöglich.

Dennoch blieb noch viel Familienpflege in Frauenhänden, und der Prozess der Befreiung der Frau wurde nicht vollendet, was mit dem allgemeinen Revisionismus verbunden war. Mit der Konterrevolution von 1989 und der Niederlage des Sozialismus begann sich dann das Rad der Geschichte wieder rückwärts zu drehen.
Die Befreiung der Frau ist nun erneut eine der größten Aufgaben der kommenden sozialistischen Gesellschaft.

  •          Wir rufen alle werktätigen Frauen auf:
    Schließt euch uns an – kämpfen wir vereint für die Befreiung vom Kapitalismus und gegen Ausbeutung in Arbeit und Familie! Gemeinsam können wir dieses Ziel erreichen!
  •          Werktätige Frauen, Hausfrauen – wir sind uns unserer Ausbeutung bewusst. Setzen wir unsere Ziele zusammen mit den Kommunisten durch!
  •          Frauen, kommt in die kommunistische Partei!

Rot Front!

 

[1] http://www.extremnews.com/berichte/weltgeschehen/76f313742f4bab7

[2] https://www.wuppertal.de/rathaus-buergerservice/verwaltung/medien_verwaltung_politik/dokumente_vup/Prof._Dr._Langehenning_Maenner_in_der_Angehoerigenpflege.pdf

 

[3] https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001139004.pdf?__blob=publicationFile

 

[4] https://de.statista.com/infografik/1983/wie-lange-maenner-und-frauen-im-haushalt-arbeiten/

[5] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Indikatoren/QualitaetArbeit/Dimension3/3_9_Elternzeit.html

 

[6] http://www.sgipt.org/lit/toman/famstat.htm#1998-2008:%20M%C3%BCtter%20arbeiten%20immer%20h%C3%A4ufiger%20in

 

[7] http://www.oecd.org/berlin/presse/dergroeunterschiedfrauenindeutschlandverdieneneinfunftelwenigeralsmanner.htm

 

[8] Bd 30, S.38.