Pressekonferenz der Generalsekretärin des ZK der KKE, Aleka Papariga, zu den jüngsten politischen Entwicklungen
| INTERNATIONAL - Internationale Solidarität |
Eine neue Regierung der Kampfgemeinschaft des Kapitals, der bürgerlichen Parteien und der EU
Pressekonferenz
von Aleka Papariga, der Generalsekretärin des ZK der KKE, am 7.
November bezüglich der
Formierung einer neuen Regierung bestehend aus den zwei bürgerlichen
Parteien des Landes, der sozialdemokratischen PASOK und der rechten ND,
die von der nationalistischen LAOS unterstützt wird. Aleka Papariga rief
die Arbeiterklasse und die Volkskräfte dazu auf, diese Regierung durch
ihren Kampf so schnell wie möglich zu stürzen. Sie betonte, dass eine
soziale Volksfront nötig ist, um die Macht der Monopole zu stürzen und
sie zu vergesellschaften, für den Austritt Griechenlands aus EU und NATO
sowie für die Streichung der Schulden.
Die ganze einleitende Aussage der Generalsekretärin des ZK der KKE auf der Pressekonferenz:
"Derzeit
wird eine Regierung der Kampfgemeinschaft der Parteien des Kapitals
gebildet, und zwar direkt vom Kapital, mit der EU als Drahtzieher. Diese
Regierung wird gebildet, um uns in der Situation von Krise und
Konkurrenz die Bedingungen des griechischen und europäischen Kapitals
aufzuzwingen, um mit den
Spannungen innerhalb der EU umzugehen und um das Volk zu unterjochen.
Ganz offensichtlich hat die EU PASOK und ND gedrängt, diese Regierung zu
bilden. In Wahrheit wendet sich der Druck jedoch gegen das Volk. Wir
garantieren, dass diese Regierung nicht umzugehen wissen wird mit den
Schulden oder dem Defizit oder dem Ausmaß der Krise, vermutlich werden
sie nicht einmal mit der Möglichkeit eines unkontrollierten Bankrotts
umzugehen wissen.
Die Verhinderung eines unkontrollierten
Bankrotts in den folgenden Monaten und/oder Jahren hängt weder von der
Form der politischen Verwaltung ab, wie uns die verschiedenen
bürgerlichen Regierungen glauben machen wollen, noch davon, ob es eine
Koalition geben wird oder die Herrschaft einer einzelnen Partei usw. Wir
wiederholen, dass die Frage, ob mehrere Parteien in einer Koalition
regieren werden, eng verknüpft ist mit der Disziplinierung und
Unterwerfung des Volkes, denn das Problem der Krise liegt viel
tiefer, es betrifft das kapitalistische System selbst und nicht seine
Verwaltung.
Das Volk muss folgendes wissen: Dass all das, was sie
in der letzten Zeit erfahren haben, jetzt weitergehen wird. Zu Anfang
werden sie arbeiter- und volksfeindliche Maßnahmen ergreifen, und danach
werden wir die Raten bezahlen müssen; und in der Tat wird jetzt der
neue Teilzahlungszyklus des neuen Berichts beginnen [der Satz könnte
unrichtig sein – R.]. Wir glauben nicht im Mindesten daran, dass es
Initiative von Papandreu war, die Volksabstimmung "Euro oder Drachme"
voranzutreiben, die zu dieser Neubildung der Regierung führte. Sie haben
das schon lange vorbereitet, und diese Volksabstimmung war eine
günstige Gelegenheit.
Das Kapital in unserem Land und der
restlichen EU wollte eine dynamische und starke Regierung einsetzen. Und
tatsächlich hat sie, wenn man genau hinsieht, das übertroffen, was in
Portugal passierte, wo die Opposition vor den Wahlen
bekannt gab, dass sie allem zustimmen und für alles stimmen würde. Das
war nicht genug. Sie wollten die ND nicht als offizielle Opposition, die
aus oppositionellen Motiven und nicht aus strategischen Gründen gegen
Maßnahmen stimmen würde, natürlich wie zuvor versprechend, dass sie die
Unterschriften der vorherigen Regierung akzeptieren würde. Sie wollten
eine einheitliche Bündnisregierung.
Ein Großteil des Volkes fühlt
sich gedemütigt von den Eingriffen der EU und den Aussagen von Merkel
und Sarkozy, wobei das Komische ist, dass die Politiker genau dasselbe
vorspielen. Wir möchten folgendes klarmachen: Wenn das Volk dieses
Gefühl der Demütigung beenden möchte, das über die Jahre nur noch
schlimmer werden wird, wenn sich nichts ändert, wenn es davon frei sein
will, muss es zuerst von der Macht der Monopole in unserem Land und von
der EU befreit werden. Ansonsten werden diese Demütigungen bleiben, und
wir möchten betonen, dass
sie immer schlimmer werden.
Gegenwärtig bedeutet Patriotismus
für uns: Vergesellschaftung der Monopole, eine Arbeiter-Volks-Macht,
Austritt aus der EU, was unter den heutigen Bedingungen auch die
Streichung der Schulden bedeutet.
Diese Regierung wird nicht nur
für ein paar Wochen bleiben. Sie versuchen, sie solange wie möglich
aufrecht zu erhalten. Aber selbst wenn sie nur für ein paar Wochen
bleibt, wird sie doch Maßnahmen treffen, die das Leben, den
Lebensstandard und die Rechte des Volkes für mindestens 10 bis 15 Jahre
beeinträchtigen werden.
Und tatsächlich spricht der IWF von einer
Zwei-Jahres-Regierung. Wir rufen die Arbeiterklasse und die Volkskräfte
auf, durch ihren Kampf diese Regierung so schnell wie möglich zu
stürzen, ihr das Leben schwer zu machen, alle Probleme der neuen
Koalitionsregierung (mit altem Zeug, aber der Form ihrer Zusammensetzung
nach neu) auszunützen und ihre Lebensdauer so weit wie möglich
zu verkürzen, und um Neuwahlen zu erzwingen, bevor endgültige
Entscheidungen getroffen werden. Natürlich ist dafür ein permanenter
Kampf nötig, und besonders diejenigen Arbeiter und Volkskräfte, die noch
an PASOK und ND glauben, sollten diesbezüglich keinerlei Hemmungen
haben; sie dürfen nicht hoffen, dass diese Koalition irgendetwas
verbessern wird. Sie wurde gebildet, um das Schlimmste über uns zu
bringen, das Schlimmste sogar, das wir bisher erlebt haben. Heute hat
das Volk eine weitere Waffe, nicht nur die Gerechtigkeit seiner Sache
und die Erfahrungen, die es in der Vergangenheit und in der letzten Zeit
gesammelt hat, sondern auch die Tatsache, dass die EU ernsthafte
Probleme hat. Die Regierungen der EU-Staaten können mit der Krise nicht
umgehen, das politische System in Griechenland hat seine Spannungen, und
aus diesem Grunde wurden sie dazu gezwungen, eine Koalitionsregierung
einzusetzen, während immer noch darum kämpfen, das System
der zwei Parteien, die sich die Regierung stets teilen, zu erhalten.
Das
Volk darf keine Rücksicht nehmen auf die Schwäche des bürgerlichen
Systems, auf die Sorgen und Probleme, die es hat. Die Schulden, das
Defizit, die Memoranden, die mittelfristigen Programme und ob sie
verabschiedet werden, das alles sind die Sorgen der herrschenden Klasse
unseres Landes und der Parteien, die ihr dienen. Das Volk darf sich
keine Sorgen darüber machen, wie sich diese Dinge entwickeln werden.
Das Volk muss sich nur über eines Gedanken machen: Wie es es schaffen kann, diese Maßnahmen zu verhindern und siegreich zu sein.
Sie
drohen dem griechischen Volk, dass sie es ausstoßen werden, dass sie
Griechenland aus der Eurozone ausschließen werden. Das Volk muss diese
Drohung nutzen, um den Kopf zu heben und zu sagen: Mit unserer
Entscheidung, mit unserer Stärke, mit unseren Plänen werden wir von nun
an aus der EU austreten.
Das ist nicht
unmöglich; es ist möglich, dass die EU in den folgenden Jahren nicht
mehr so aussieht wie heute. Einige Länder könnten aus der Eurozone oder
gar aus der EU ausgeschlossen werden, die EU könnte sich trennen, oder
es könnte irgendetwas anderes passieren. Es gab tatsächlich schon eine
Diskussion darüber, die EU in eine Organisation wie die USA umzuwandeln.
Sie glauben, dass sie die nationalstaatliche Organisation durch
politische Entscheidungen auslöschen können. Der Grund dafür ist
erstens, dass dies für sie eine Möglichkeit ist, das Volk zu
unterjochen, seine Kampfkraft zu unterdrücken. Und zweitens können sie
so sicherstellen, dass der Kampf zwischen den Monopolen auf die für sie
beste Art und Weise geführt wird. Keinesfalls jedoch kann dieser Plan
die Krisen, die Rivalitäten und die Spaltungen im kapitalistischen
System überwinden.
Und da sich hier die Gelegenheit bietet,
lassen sie mich bitte klarstellen, was die Medien
permanent behaupten, nämlich, dass Frau Papariga argumentiert hätte,
wenn wir die Drachme zurücknehmen, einige spekulieren werden: In der
Frage Euro oder Drachme war unsere Antwort, dass es Sektionen des
Kapitals gibt, nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen
Ländern, die daran interessiert sind, dass Griechenland in der EU
bleibt, aber die Eurozone verlässt, weil ihre wirtschaftliche Position
im System geeignet zur Spekulation ist. Unsere Antwort lautet jedoch:
Austritt. Denn wir werden nicht die Seite der Euro-Spekulanten oder der
Drachme-Spekulanten einnehmen. Folglich glauben wir, dass dem Volk durch
eine "Anti-Memorandum-Front" nicht gedient ist, ob man diese nun
fortschrittlich, patriotisch oder links nennt. Bis jetzt hat sich die ND
zu den Gegnern des Memorandums gezählt, und man sieht, wohin das
geführt hat. Natürlich ist es eine bewusste Entscheidung, dass sie nicht
die Seiten gewechselt hat. Was bedeutet also eine Front gegen
das Memorandum – ist sie links, fortschrittlich?
Die Front, die
wir heute brauchen, darf nicht nur einfach eine "Anti"-Front sein. Sie
muss auch klarmachen, wohin das Volk gehen soll, und das erst bestimmt
ihren "Anti"-Charakter. Wir reden also von einer sozialen Volksfront zum
Sturz der Macht der Monopole, für ihre Vergesellschaftung, für ihre
Kontrolle durch die Arbeiter und das Volk, für den Austritt
Griechenlands aus EU und NATO, und natürlich beinhaltet all das die
Streichung der Schulden. Wir wollen keine arbeiterfeindliche Politik,
weder mit dem Euro noch mit der Drachme.
Von dieser Sichtweise
aus sind alle derartigen Fronten gegen das Memorandum nicht nur
kurzlebig – sie werden sich früher oder später spalten –, sondern sie
errichten auch ein Bollwerk, um die Bourgeoisie zu schützen, die auf der
einen Seite eine klar reaktionäre, konservative Front will, aber
andererseits eine solche Kampffront als eine Form des
Schutzes benutzen kann. Denn jeder, der im Rahmen der EU bezüglich
Verhandlungen und Veränderungen der politischen Form kämpft, stellt für
das System keine Bedrohung dar. Die gemeinsame Aktion mit der KKE stellt
eine der unersetzlichen Vorbedingungen dar; wir behaupten nicht, dass
es die einzige ist, doch es ist eine der essentiellen Vorbedingen dafür,
dass diese soziale Volksfront – Keime von ihr existieren bereits – in
der Lage ist, sich zu bilden und zum Gegenangriff überzugehen.
Gleichzeitig
glauben wir, dass Kampffronten sofort entstehen müssen, wenn möglich
schon morgen früh, mit aktuellen Forderungen auf der Basis der sieben
Punkte auf dem Entwicklungsplan. Neue, spezifische Forderungen
entstehen. Ich werde das nicht im Detail erklären. Zum Beispiel: die
Sozialversicherungsfonds, bei denen der Schuldenschnitt jeweils einen
50-prozentigen Schnitt für die Banken und die Sozialversicherungsfonds
bietet; sektorale
kollektive Tarifabkommen, das in Kürze erscheinende Budget, das die
Ausgaben noch weiter reduziert – ich weiß nicht, ob überhaupt noch etwas
übrig bleibt für Bildung, Gesundheit, Sozialhilfe, Kinderheime, für die
Älteren, für Personen mit speziellen Bedürfnissen, für die besonderen
Probleme von Frauen und Jugendlichen; Arbeitslosigkeit,
Arbeitskräftereserve, die sogenannte Liberalisierung der Berufe. Ich
nenne hier ein paar Beispiele, ich präsentiere keine gemeinsame
Plattform der Forderungen. Darüber hinaus entsteht die Kampffront aus
dem Volk selbst, in der Nachbarschaft und in den Fabriken.
Nichtsdestotrotz muss die Kampffront sich die Verhinderung der
Maßnahmen, den Sturz der Regierung und Neuwahlen zum Ziel setzen.
Und
nach den Wahlen muss das Volk natürlich danach streben, die Bedingungen
für einen starken Gegenangriff zu schaffen. Vergessen Sie nicht, dass
es ja auch noch andere Probleme gibt: Die Ägäis, souveräne
Rechte in den Ägäis, das Haager Tribunal, das im Namen der FYROM
[Mazedonien – R.] entscheiden wird – es ist nicht das Problem des
Namens, das uns besorgt, sondern die Probleme, die mit den Grenzen, der
Verfassung usw. zu tun haben. Diese Entwicklungen finden heute statt,
und das Volk kann nicht auf programmatische Aussagen der Regierung
warten. Diese programmatischen Aussagen sind allen bekannt. Die
Entwicklung wird noch schlimmer als in früheren Tagen. Als Konsequenz
daraus müssen wir sofort kämpfen und alle Kampfformen anwenden –
Streiks, Demonstrationen, Volkskomitees und soziale Bündnisse an der
Basis. Es darf keine Fabrik und keine Wohngegend geben ohne Aktions- und
Kampfzentren. All das muss in einer massiven Flut zusammenkommen, um
die Macht der Monopole zu stürzen. Es gibt heute keine andere Lösung."
Quelle: www.kke.gr
Übersetzung: Ralph P.| < Zurück | Weiter > |
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Aktualisiert (Dienstag, den 15. November 2011 um 22:58 Uhr)











































































